Was ist ein Social Bot?

Kategorie: Internet und Gesellschaft

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Definition von Social Bots

Als Social Bot wird ein Account in einem sozialen Netzwerk (Facebook, Twitter,..) bezeichnet, der von einem Algorithmus gesteuert wird. In der einfachsten Form kann dieser Social Bot so programmiert werden, dass immer wenn auf einer Plattform ein Artikel ver√∂ffentlicht wird, dieser Artikel automatisch auf dem Social Bot Account auf Facebook oder Twitter gepostet wird. Ein Social Bot Account f√ľr einfache-internetseiten.de w√ľrde also beispielsweise immer automatisch die neuesten Artikel, die auf dieser Seite ver√∂ffentlich werden, posten. Der Account kann auch so programmiert werden, dass er bei bestimmten Keywords, die andere in ihren Beitr√§gen erw√§hnen, automatisch immer einen Link zum eigenen Artikel oder zur eigenen Webseite erg√§nzt. Schreibt also jemand etwas √ľber Schuhe, k√∂nnte ein Social Bot immer einen Link zu einem Onlineshop f√ľr Schuhe setzen. Diese einfachen Bots sind auch sehr leicht zu identifizieren und k√∂nnen bereits mit geringen Programmierkenntnissen erstellt werden. Komplexere Social Bots k√∂nnen genaue Sprachanalyse durchf√ľhren und miteinander kommunizieren, so dass sie selbst f√ľr erfahrene User nicht mehr von realen Nutzern zu unterscheiden sind. Schlie√ülich gibt es auch sinnvolle Social Bots, beispielsweise wenn Hassbotschaften automatisch ausgefiltert werden.

Gefahren von Social Bots

Bestimmte Interessensgruppen k√∂nnten so versuchen die √Ėffentlichkeit zu manipulieren. Die Alkohollobby k√∂nnte immer wenn etwas √ľber die sch√§dliche Wirkung von Alkohol berichtet wird durch einen Bot einen Link zu einer Studie setzen, die aussagt, dass Alkohol in Ma√üen gesundheitsf√∂rdernd ist. Immer wenn etwas √ľber alternative Energien berichtet wird, k√∂nnte ein Bot der Kohleindustrie einen Link einf√ľgen, der schildert, wie sinnvoll und wichtig der Einsatz von Kohle nach wie vor ist. Zu jedem beliebigen Thema k√∂nnten die jeweiligen Organisationen versuchen, die √∂ffentliche Meinung zu ihrem Gunsten zu manipulieren.

Politiker k√∂nnen durch Socal Bots versuchen ihre Popularit√§t zu steigern, indem in den jeweiligen Netzwerken massenhaft unterst√ľtzende Post ver√∂ffentlicht werden. Dies k√∂nnte dazu f√ľhren, dass die Qualit√§t der Social Bots die Wahl mehr beeinflusst als die Pers√∂nlichkeit der Politiker oder die Plausibilit√§t der Sachargumente, was langfristig eine Gefahr f√ľr die Demokratie darstellen k√∂nnte.

Au√üerdem droht durch Social Bots eine zunehmende Radikalisierung, weil viele Bots auf Extrempositionen programmiert sind und sehr radikale Ansichten verbreiten, das k√∂nnte zu einer Verschlechterung der politischen Gro√üwetterlage f√ľhren.

Schlie√ülich stellen Social Bots eine Bedrohung f√ľr die sozialen Netzwerke dar. Wenn die realen Menschen das Gef√ľhl haben, dass die sozialen Roboter zu stark vertreten sind, werden viele die Lust verlieren, sich in sozialen Netzwerken zu engagieren. Schlie√ülich m√∂chten die User mit anderen Menschen in Verbindung treten und nicht mit Algorithmen.

Social Bots verhindern

Eine M√∂glichkeit, um Social Bots zu verhindern, w√§re es bei der Anmeldung in einem sozialen Netzwerk den Personalausweis als Nachweis f√ľr die Echtheit zu verlangen. Diese M√∂glichkeit ist jedoch nicht praktikabel. Die wenigsten User w√§ren dazu bereit, Facebook oder Twitter ihre kompletten Daten zu verraten und auch von Seiten der sozialen Netzwerke droht Widerstand, schlie√ülich sind die Netzwerke bestrebt, die Anmeldung so einfach wie m√∂glich zu gestalten und eine Ausweiskontrolle w√ľrde diesem Grundsatz widersprechen.

Gut programmierte Social Bots verhalten sich f√ľr einen l√§ngeren Zeitraum unauff√§llig und posten nur sehr wenige Beitr√§ge. Erst nach einer gewissen Zeit der Tarnung, beginnt der Bot aktiv zu werden, wobei die Postings teilweise sehr subtil manipulativ sind und kaum als automatisierte Posts zu erkennen sind. Diese Posts zu verhindern ist kaum m√∂glich.

Social Bots erkennnen

Weil die Anmeldung von Social-Bots kaum verhindert werden kann, gibt es den Ansatz Social Bots zu identifizieren. So kann auf der Seite BotOrNot getestet werden, mit welcher Wahrscheinlichkeit es sich bei einem bestimmten Twitter-Account, um einen Social Bot handelt. Grunds√§tzlich gilt es als auff√§llig, wenn ein Account sich anders als alle anderen verh√§lt. Doch auch dieses Vorgehen ist h√∂chst problematisch, weil auch unbescholtene B√ľrger, die sich abseits der Norm verhalten in Verdacht geraten k√∂nnten.

Programme, die f√ľr sich in Anspruch nehmen Social Bots zu erkennen, haben ein schwerwiegendes Problem: Sie sind den Bot-Entwicklern immer einen Schritt hinterher. Es werden immer solche Social Bots entwickelt, die nicht von den Erkennungs-Programmen entdeckt werden k√∂nnen. Es entwickelt sich dadurch, √§hnlich wie beim Doping im Sport oder beim Kampf gegen Computerviren, ein ewiges Spiel zwischen T√§uschern und denjenigen, die den Betr√ľgern auf die Schliche kommen wollen. In diesem Spiel haben die Betr√ľger immer einen kleinen Vorteil und k√∂nnen ihre Bots so entwickeln, dass sie nicht von den Bot-Entdeckungs-Programmen enttarnt werden k√∂nnen.

Daher ist die einzige M√∂glichkeit wirklich wirkungsvoll gegen Social Bots vorzugehen, die Schulung der Medienkompetenz der User. √Ąhnlich wie bei der Frage, ob das Internet dumm macht, hat der Nutzer es selbst in der Hand inwieweit er manipuliert oder get√§uscht werden kann. Durch intensive Recherche k√∂nnen die meisten Falschmeldungen enttarnt und einseitige Propaganda entlarvt werden. Der Mensch kann selbst beeinflussen, was er denkt und wie er sich manipulieren l√§sst. Ein wirklich gebildeter und umfassend informierter B√ľrger wird sich durch einen Social Bot nicht von seiner Meinung abbringen lassen. Dieser Weg ist zwar sehr m√ľhsam, aber an einer St√§rkung der Medienkompetenz der Menschen zur Verhinderung von Manipulierbarkeit scheint kein Weg vorbeizugehen.