Clickbait einfach erklärt

Kategorie: Internet und Gesellschaft

Der User klickt auf die Überschrift, sieht den Text und findet die in der Headline versprochenen Informationen nicht. Ein Fall von Clickbait. Reißerische Überschriften ködern (to bait) die Nutzer und verleiten zum Klick (click).

Für einen Februartag erwarten die Meteorologen minus zwei Grad. In diesem Fall hat „Jetzt kommt der Kälte Hammer“ eine höhere Klickrate als „Leichte Abkühlung erwartet“. Um die Nutzer zum Klicken auf die Meldung zu animieren, wählen viele die erste übertriebende Variante.

Clickbait Geschichte

Der Ausdruck Clickbait  kam erst mit der Entwicklung des Internets in den Sprachgebrauch. Boulevardzeitungen verfahren allerdings bereits seit Jahrzehnten nach diesem Prinzip. Eine Aufmerksamkeit erregende Überschrift tut den Verkaufszahlen jeder Zeitung gut. Eingängige Überschriften und schöne Fotos gelten schon immer als Erfolgsrezept. Für das Internet erfolgte lediglich eine Übertragung auf das neue Medium.

Jay Geiger führte diesen Begriff 2006 in die öffentliche Diskussion ein. Der schlichte Blogbeitrag enthält die exakte Definition:

Any content or feature within a website that “baits” a viewer to click. “Anything interesting enough to catch a person’s attention”. More often than not, click bait uses “highly alternative text/phrasing”, ”controversial slogans/ideas” or “culturally inspirational descriptions/events”. CLICK BAIT is similar to LINK BAIT but is generally seen as less effective, more shortsighted and more shortlived.

Geiger kritisiert also schon damals, dass Clickbait nur kurzfristig Erfolg verspricht.

Clickbait vs. gelungene Überschrift

Eine gute Überschrift macht auf den Text neugierig. Sie verspricht allerdings nichts, was in dem darauffolgenden Artikel nicht steht. Die Nutzer stehen vor der Schwierigkeit, den Wahrheitsgehalt der Überschriften zu beurteilen. Internet erfahrene User ignorieren mittlerweile offensichtliche Clickbaits („Was Sie hier lesen, wird Ihr Leben verändern“), die im Internet massenweise vorkommen. Eine gute Überschrift steht im engen Bezug zum Inhalt und weckt dennoch Neugier auf den folgenden Text.

Welchen Mehrwert bietet der Text und was macht ihn für die Zielgruppe einzigartig? Eine gelungene Headline beantwortet exakt diese Fragen.

Formen von Clickbaits

  1. Ein Listicle ist ein in Form einer Aufzählung geschriebener Blogbeitrag. Das Kunstwort setzt sich aus List (Liste, Aufzählung) und Article (Artikel, Beitrag) zusammen. Beispiele für Listicles sind Blogbeiträge wie „10 Tipps, um WordPress sicherer zu machen“ oder „10 Dinge, die Webdesigner wissen müssen“. Viele User lesen nicht gern umfangreiche Texte. Längere Textblöcke wirken abschreckend. Durch Listicles unterteilen Texter komplexe Sachverhalte in kleine Teilabschnitte. Die Leser verarbeiten die so präsentierten Informationen leichter als bei Texten ohne Aufzählungen. Mittlerweile gibt es auf zahlreichen Nachrichtenseiten vor dem eigentlichen Artikel eine Zusammenfassung des Inhalts in einer kurzen Liste bzw. Aufzählung. Listicles erleichtern die Verarbeitung des Inhalts und verbessern die Nutzerzufriedenheit.
  2. Mit rhetorischen Fragen erhöhen erfahrene Blogger die Klickrate von Überschriften. Die direkte Ansprache bindet den User ein. Die Leser fühlen sich verstanden bzw. ernst genommen und widmen dem folgenden Beitrag ihre ganze Aufmerksamkeit. „Wie gut kennen Sie sich in Hannover aus?“ bzw. „Was tun, wenn das Auto morgens nicht startet?“ sind typische Beispiele dieser Technik.
  3. Beim Forward Referencing formuliert der Texter die Überschrift bewusst unklar. Dadurch steigt beim potentiellen Leser die Neugier. Er will erfahren, was hinter den vagen Andeutungen steckt.
    Sie werden staunen, wie dieser Mann jetzt lebt. Hier verweist der Texter auf später im Text enthaltene Informationen. Dadurch entsteht ein Information gap (Informationsdefizit), dass der Leser unbedingt beseitigen möchte.
    Als der Strom ausfiel, passierte unglaubliches. Der Verfasser verfügt über vermeintlich brisante Informationen, die er erst im weiteren Artikel preisgibt. Der User wünscht sich, den Wissensstand des Texters zu erreichen und klickt erwartungsfroh auf die Überschrift.
  4. Thumbnails (Vorschaubilder) von Videos oder Beiträgen funktionieren gut als Clickbaits. Oft wählt der Redakteur Grafiken, die besonders ungewöhnliche Situationen oder attraktive Menschen zeigen. Diese Vorschaubilder haben für den Inhalt des Videos oder Textes kaum Relevanz und dienen lediglich als Köder.

Kritik an Clickbaits

Clickbaits gelten als unseriös und stehen vielfach in der Kritik. Die verführerischen Headlines versprechen Dinge, die die Texte nicht einlösen. Die Frustration der User steigt und das Vertrauen in die Medien sinkt. Clickbaits zielen ausschließlich auf die Steigerung der Klicks ab. User kommen nicht wieder auf eine inhaltlich enttäuschende Seite. Seriöser Journalismus schafft Vertrauen und hat langfristigen Erfolg als Ziel. Clickbait Überschriften dagegen stehen für kurzfristige Effekte.

Maßnahmen gegen Clickbait

Facebook überprüfte bereits 2017 die Überschriften seiner User auf Clickbaits. Mitarbeiter verglichen die Überschriften und die ganzen Texte auf Gemeinsamkeiten. Es gelang bestimmte Clickbait typische Formulierungen zu identifizieren und Clickbait Beiträge so auszusortieren. Auch eine geringe Verweildauer spricht für Clickbait. Verlässt der Leser nach wenigen Sekunden eine Seite, liegt es am enttäuschenden Inhalt. Die gezeigte Inhalte entsprechen nicht seinen Erwartungen, die entsprechende Seite erhält eine Abwertung.

In diesem Artikel beschreibt der Autor, wie künstliche Intelligenz Clickbaits identifiziert. Eine Studiengruppe erhielt die Aufgabe einen Text durchzulesen und zu diesem eine Clickbait Überschrift zu verfassen. Diese Überschriften verglichen die Wissenschaftler mit maschinell generierten Clickbaits. Der Algorithmus ist durch diese Vergleichszahlen dazu in der Lage, automatisch erzeugte Clickbait Überschriften zu erkennen.

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