Virginie Despentes – Das Leben des Vernon Subutex

Kategorie: Buchrezensionen

Vernon Subutex war einmal angesagt, als Plattenladenbesitzer, als Band-Mitglied und als Freund des ber├╝hmten S├Ąngers Alex Bleach. Doch dann kam die Digitalisierung: Schallplatten waren nicht mehr gefragt und die Band zerbrach. Sein Plattenladen musste schlie├čen und Vernon stand ohne Einkommen da. Er konnte seine Wohnung in Paris nicht mehr bezahlen und stand pl├Âtzlich ohne Dach ├╝ber dem Kopf da. Um seine prek├Ąre Situation nicht zu verraten und der sozialen Deklassierung zu entgehen gibt er an in Kanada zu leben und nur f├╝r kurze Zeit eine Bleibe in Paris zu ben├Âtigen. So findet er nach und nach bei einigen Bekannten Unterschlupf.

Auf seiner Odyssee lernt er die Menschen genauer kennen, die Reichen, die Erfolglosen, die Kinderlosen, die Familienv├Ąter, die Gewinner, die Religi├Âsen, die Atheisten und die Verlierer. Er sp├╝rt, dass die Gesellschaft heterogener wird und auseinanderdriftet und dass sich Gewalt, R├╝cksichtslosigkeit und Egoismus immer mehr verbreiten. Er muss in k├╝rzer werdenden Abst├Ąnden seine Unterkunft wechseln. Das einzig wertvolle, was er noch besitzt sind die Aufnahmen von einem Gespr├Ąch mit dem inzwischen verstorbenem Rockstart Alex Bleach, die er bei einer Freundin deponiert hat. Das macht ihn f├╝r eine Journalistin interessant, die versucht ihn ausfindig zu machen.

Doch dann wird Vernon obdachlos, weil niemandem mehr bereit ist, ihn bei sich ├╝bernachten zu lassen. Er muss fortan auf der Stra├če leben und sich an das harte Leben als Clochard gew├Âhnen. Trotz seines schlechten k├Ârperlichen Zustandes erkennt ihn die Mutter eines alten Freundes wieder und m├Âchte ihm helfen. Doch Vernon lehnt dies ab. Sie bittet ihren Sohn Xavier darum, Vernon zu unterst├╝tzen. Xavier macht sich auf die Suche nach Vernon und ger├Ąt schlie├člich unvermittelt in eine bedrohliche Situation.

Bewertung:

Die Sprache dieses Buches ist teilweise sehr drastisch und die Schilderung einzelner Szenen ist deutlich und manchmal auch brutal. Es gelingt der Autorin sehr gut, die Sprache den jeweils handelnden Personen anzupassen. Die Mutter, die um ihr Kind trauert, spricht, denkt, f├╝hlt und handelt ganz anders als der alleinstehende B├Ârsenmakler.

Bewundernswert, wie authentisch sich die Autorin in vollkommen unterschiedliche Menschen hineinversetzen kann. Die menschlichen Schicksale werden mit den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre verkn├╝pft. W├╝rde man die franz├Âsischen Namen durch englische oder deutsche ersetzen, k├Ânnte dieses Buch auch in London oder Berlin spielen. Die Sorgen, Gedanken und das Umfeld der Protagonisten, sind typisch f├╝r westeurop├Ąische Gro├čstadtbewohner und die wichtigsten Themen, der Gegenwart (religi├Âser Fanatismus, politischer Extremismus, Verarmung der Mittelschicht) werden auf sehr deutliche und angenehm unaufdringliche Art behandelt. Dieses Buch ist spannend, schn├Ârkellos geschrieben, zeitgeschichtlich relevant und insofern eine absolute Empfehlung.