Thomas Mann – Tonio Kröger

Kategorie: Buchrezensionen

Tonio Kröger ist anders als seine Mitschüler. Der aus großbürgerlicher Familie stammende Fabrikantensohn ist seit jeher den schönen Künsten zugeneigt. Er schreibt Gedichte und ist sensibel und voller Selbstzweifel. Sein von ihm bewunderter Freund Hans Hansen ist da ganz anders: zielstrebig und von fröhlichem Gemüt. Auch die von ihm verehrte blonde Ingeborg Holm ist keine Träumerin, sie ist fröhlich und geht leicht und sorglos durch das Leben. Doch Hans und Inge bleiben dem sensiblen Schöngeist Tonio fremd. Schließlich verlässt er seine Heimatstadt Lübeck, sein strenger Vater stirbt und seine temperamentvolle Mutter heiratet einen anderen Mann. Er lässt sich in München nieder. 15 Jahre später beschließt er nach Dänemark zu reisen und einen Zwischenstopp in Lübeck einzulegen. Dort besucht er das ehemalige Haus seiner Familie, das inzwischen eine Volksbibliothek geworden ist und wird fast als vermeintlicher Hochstapler festgenommen. In Dänemark angekommen verbringt er ein paar schöne Tage am Meer und sitzt eines Tages im Speisesaal des Hotels als zwei gut gekleidete Menschen den Saal betreten: Hans Hansen und Ingeborg Holm.

Wie immer bei Thomas Mann ist die Sprache auch in immer diese Erzählung sehr bildhaft und poetisch. Tonios Leiden und Seelenzustände werden
anschaulich und glaubhaft geschildert. Der Gegensatz zwischen künstlerischer Selbstverwirklichung und bürgerlichem Lebensstil bildet das Hauptmotiv dieser Erzählung. Tonio beneidet die scheinbar glücklichen und eher einfach gestrickten Mitmenschen um ihre simple Lebensphilosophie, die er aber andererseits verachtet. Diese innere Zerrissenheit prägt seine Persönlichkeit.

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