Thomas Mann – Das Eisenbahnunglück

Kategorie: Buchrezensionen

In diesem schmalen Erzählband sind 4 Novellen von Thomas Mann abgedruckt. Die Texte sind in der für Mann typischen stilistisch eleganten und sehr wortreichen Prosa verfasst. In der ersten Novelle geht es um eine Rauferei unter Heranwachsenden, die von den Protagonisten zum Duell hochstilisiert wird. Das vermeintlich bedeutsame Ereignis wird aus der Sicht eines ebenfalls jugendlichen Zuschauers geschildert. In das Eisenbahnunglück wird, wenig überraschend, ein Eisenbahnunglück beschrieben. Die Fahrt von München nach Dresden verläuft außerplanmäßig, das Verhalten der einzelnen Fahrgäste vor und nach dem Unfall steht dabei besonders im Fokus. Wie verändern sich Menschen in einer Notlage? Dieser Frage versucht diese Novelle auf den Grund zu gehen. In der dritten Erzählung wird über eine Frau und ihren Ehemann berichtet, der sich auf einer Abendveranstaltung etwas zu intensiv mit einer jungen Frau beschäftigt. Die Ehefrau wird langsam wütender, ehe die Sache ein vollkommen unerwartetes Ende nimmt. Die abschließende Novelle handelt von einer esoterischen Veranstaltung, auf der der ein obskurer Prediger seine Wahrheiten verkündet. Hierbei wird besonders über die Zuhörer und ihr Verhalten geschrieben.

Der Wortschatz und die beschreibenden Fähigkeiten von Thomas Mann sind enorm. Aus heutiger Sicht wirken einige Ausdrücke altmodisch. Aber es werden Sätze aufs Papier gebracht, die einen ganz eigenen Charme entwickeln.

Zu diesem Behufe hatte ich mein Manuskript zuunterst in meinen Koffer gelegt, zusammen mit dem Notizenmaterial, ein stattliches Konvolut, in braunes Packpapier geschlagen und mit starkem Spagat umwickelt. Ich reise gern mit Komfort, besonders wenn man mir es bezahlt.

Insofern ist es durchaus lohnenswert, dieses schmale Bändchen zur Hand zu nehmen, um darin zu schmökern.

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