Thomas Glavinic – Das bin doch ich

Kategorie: Buchrezensionen

Thomas Glavinic hat sein Werk „Die Arbeit der Nacht“ vollendet. Das Buch wird in wenigen Monaten veröffentlicht. Bis dahin gilt es, einige Zeit zu überbrücken, weil er sich noch nicht dazu bereit fühlt, etwas Neues zu schreiben. Langweilig wird es trotzdem nicht, denn es gibt die manchmal nervigen Schwiegereltern, den zuweilen anstrengenden kleinen Sohn, Verleger, Künstler und Kneipenbekannschaften. Sie alle bereichern das Leben der österreichischen Romanciers. Die Nervosität wächst von Tag zu Tag, schließlich rückt der Erscheinungstermin immer näher. Der bekennende Hypochonder Glavinic sieht überall Vorzeichen, die sein baldiges Ende als Mensch oder als Schriftsteller einleiten und zu allem Überfluss hat sein bester Freund Daniel ein Buch geschrieben, das sich fast 700.000 mal verkauft hat. Thomas sitzt in einer Filmjury, hört zahlreiche Lesungen, kümmert sich um seinen Sohn und vertrödelt den Rest der Zeit in der Kneipe. Im Skiurlaub muss er in einem Sessellift mit seinem Schwiegervater seine Höhenangst überwinden, sein Bub stürzt so unglücklich auf das Ohr, das er operiert werden muss und er selbst legt beim Skifahren einen veritablen Sturz hin, den er einigermaßen glimpflich übersteht. Das alles erscheint aber unwichtig gegen die Aufregung, die das baldige Erscheinen seines Buches in ihm verursacht. Anschließend stellt er sich auch seiner Flugangst und möchte nach Brüssel fliegen. Doch dann wird ihm schon im Flughafen schwindlig und er überlegt das Wagnis abzubrechen.

Glavinic schreibt mit viel Humor und Selbstironie. Der geneigte Leser erfährt einiges über den Literaturbetrieb und die Lektüre dieses Buches ist zu keiner Zeit langweilig. Ein absolut empfehlenswertes und mit Herz, Humor und Verstand geschriebenes Buch.

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