Stefan Zweig – Schachnovelle

Kategorie: Buchrezensionen

Mirko Czentovic ist ein Außenseiter in der von feinsinnigen Intellektuellen geprägten Schachszene. Der etwas tumbe und phantasielose südslawische Bauernsohn hat es trotzdem zum Schachweltmeister gebracht. Außer Schach und Geld interessiert und bewegt Mirko nichts. Sensibilität und Mitgefühl für andere sind ihm vollkommen fremd.
Sein Antipode in diesem Roman ist Dr. B, ein sensibler österreichischer Emigrant. Dr. B wurde von der Gestapo mehrere Monate in völliger Isolation eingesperrt. Es gab keinerlei Ablenkung für ihn, Bücher oder sonstige Abwechslung waren verboten. Eines Tages gelingt es ihm, ein Schachbuch zu entwenden und er lernt die in diesem Buch enthaltene Meisterpartien auswendig und spielt diese in Gedanken nach. Nach einiger Zeit hat er diese Partien im Kopf und er beginnt in seiner Vorstellung gegen sich selbst Schach zu spielen. Seine Schachleidenschaft steigert sich immer mehr, bis er eines Tages in ein Krankenhaus eingeliefert werden muss, weil er den Verstand verloren hat. Durch die Unterstützung des behandelnden Arztes gelangt er in die Freiheit zurück. Schließlich kommt es auf einem Passagierdampfer zum finalen Schachduell zwischen Czentovic und Dr.B..

Das Buch ist sehr spannend geschrieben und gut formuliert. Ist es wirklich möglich in einer Sache wie Schach, hervorragend zu sein und ansonsten keinerlei intellektuelle und menschliche Fähigkeiten zu haben? Ist es zwangsläufig so, dass man den Verstand verliert, wenn man sich permanent mit sich selbst beschäftigt oder im wörtlichen oder übertragenen Sinne gegen sich selbst spielt? Das Buch ist ein zeitloser Klassiker, weil nicht so sehr die Schachphilosophie, sondern die daraus ableitbare Lebensphilosophie im Mittelpunkt steht.

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