Sayaka Murata – Die Ladenhüterin

Kategorie: Buchrezensionen

Keiko ist ein ungewöhnliches Mädchen: sie kann die Gedanken und Gefühle ihrer Mitmenschen nicht nachvollziehen. Es kommt immer wieder zu peinlichen Situationen, sodass sie sich immer mehr zurückzieht. Die Jahre bis zum Studium verbringt sie nahezu vollständig isoliert. Sie fängt an in einem Supermarkt (Combini) zu arbeiten. Dort wird ihr beigebracht, wie sich bewegen soll, wie sie sprechen soll und wann sie sich wie verhalten soll. Dieser starre Verhaltenskodex gibt ihr Sicherheit und sie fühlt sich erstmals in ihrem Leben wohl. Die harte und oft eintönige Arbeit macht ihr nicht aus und zahlreiche Chefs und Kollegen kommen und gehen. Schon längst ist aus dem Studentenjob ein richtiger Job mit allerdings sehr schlechter Bezahlung geworden. Mit Mitte 30 ist Keiko doppelt stigmatisiert: Sie ist noch unverheiratet und verdient außerdem viel zu wenig Geld. Eines Tages fängt Shiraha an im Combini zu arbeiten. Der junge Mann ist rebellisch, aufmüpfig und hasst klare Regeln. Keiko lässt den mittellosen Rebellen schließlich bei sich einziehen und sie spielen nach außen das perfekte Paar vor. Keikos gesellschaftliche Anerkennung steigt rapide an, schließlich hat sie jetzt einen Mann. Doch dann wird das Zusammenleben mit ihrem vorgeblichen Mann immer komplizierter.

Die Sprache des Buches ist bildhaft ohne kitschig und poetisch ohne belanglos zu sein. Die Schilderungen des Alltags sind sehr realistisch und spannend. Die Frage, ob Konventionen den gesamtgesellschaftlichen und individuellen Fortschritt bremsen wird sehr eindrücklich und berührend behandelt. Wer Banales schreibt, ohne dass es langweilig wird und wer Literatur schreibt, die über kulturelle Grenzen hinweg von Bedeutung ist, der hat , wie Murata in diesem Fall,  ein großartiges Buch geschrieben.

 

 

 

 

 

 

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