Milena Michiko Flasar – Ich nannte ihn Krawatte

Kategorie: Buchrezensionen

Der junge Takuchi ist ein verzweifelter Mensch. Seit 2 Jahren hat er nicht mehr gesprochen und den Großteil des Tages an die Wand seines Zimmers gestarrt. Doch eines Tages fasst er etwas Mut und setzt sich im Park auf eine Bank. Dieses Ritual wiederholt er täglich, bis ihm schließlich ein älterer, wie ein Geschäftsmann gekleideter Mann, auffällt. Der Mann spricht Takuchi an, aber er antwortet zunächst nicht. Doch von nun an sitzen die Beiden täglich auf der Bank, zunächst erzählt nur der ältere Mann, aber nach einiger Zeit fängt auch Takuchi mit dem Reden an. Sie erzählen sich gegenseitig ihre Lebensgeschichten. Der Mann hat seine Frau vermittelt bekommen, trotzdem verlief die anschließende Ehe vergleichsweise glücklich. Bis zu dem Moment, in dem er arbeitslos wurde. Er traut sich nicht, es seiner Frau zu erzählen. Stattdessen kleidet er sich in Businessklamotten und verlässt jeden Tag morgens das Haus, um abends nach seiner vermeintlichen Arbeit wiederzukommen. Takuchis Jugendfreund hat sich vor einigen Jahren vor seinen Augen umgebracht. Außerdem belastet ihn die Geschichte einer ehemaligen Freundin sehr. Sie wurde vor seinen Augen gedemütigt, beleidigt und gemobbt, aber Takuchi hatte nicht den Mut einzugreifen. Das aus einer sehr armen Außenseiterfamilie stammende Mädchen begeht schließlich Suizid und Takuchi plagen anschließend schlimme Schuldgefühle. Der Mann berichtet von seinem herzkranken Baby, das früh verstarb und von seiner Unfähigkeit, um das Kind zu trauern und Gefühle zu zeigen. Sie erzählen sich ihre Schicksale und ihr Verhältnis zueinander wird immer besser. Sie fassen einen Entschluss: Wir müssen unser Leben ändern.

Eine sehr traurige und beeindruckende Erzählung mit einprägsamen und unvergesslichen Schilderungen und wunderbaren Vergleichen. Die Sprache ist sehr leidenschaftlich und die kurzen Absätze sind voller Tragik und Wahrhaftigkeit. Die Autorin schafft es, Mitgefühl zu erzeugen und ihre Figuren lebendig werden zu lassen. Eine gelungene und bewegende Erzählung.

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