Max Frisch – Der Mensch erscheint im HolozĂ€n

Kategorie: Buchrezensionen

Herr Geiser verbringt seinen Ruhestand in einem abgelegenen von mĂ€chtigen Bergen umschlossenem Dorf. Plötzlich zieht ein Unwetter auf und es beginnt sintflutartig zu regnen. Das Dorf ist schnell von der Außenwelt abgeschnitten, der Strom fĂ€llt aus, die Straße ist gesperrt und Lebensmittel werden gehortet. Herr Geiser zieht sich in sein Haus zurĂŒck und beobachtet aufmerksam sich und seine Umwelt. Wird es zu Lawinen kommen, die das Dorf zerstören und seine Bewohner töten? Herr Geiser ist angespannt und registriert selbst kleinste VerĂ€nderungen im Garten oder in seinem Haus. In der Stunde der grĂ¶ĂŸten Gefahr, beschließt er Wissen anzusammeln und schneidet Artikel aus Lexika und FachbĂŒchern aus, die sich mit der Entwicklung der Welt und medizinischen, geographischen und historischen Vorkommnissen beschĂ€ftigen. Diese Ausschnitte liest er durch und klebt sie anschließend an die WĂ€nde seines Hauses, bis diese WĂ€nde nahezu vollkommen zugeklebt sind. Nach einiger Zeit entscheidet er sein Haus zu verlassen und trotz der Gefahr eine Bergwanderung zu machen. Er bewĂ€ltigt diese schwierige Wanderung und kommt nach etlichen Stunden zurĂŒck. Er fĂŒhlt sich unwohl und begreift nicht, warum wie verrĂŒckt an seiner WohnungstĂŒr geklingelt und an seine Fenster geklopft wird.

Bewertung

Diese ErzĂ€hlung ist einer schlichten und dennoch sehr eleganten Sprache geschrieben. Die kurzen wissenschaftlichen Artikel werden in Originalsprache und Layout eingefĂŒgt, ohne den Lesefluss zu stören. Das Buch ist gut zu lesen, die Spannung steigt kontinuierlich an und die Beobachtungen des Herrn Geiser sind sehr glaubhaft und lebendig geschrieben, sodass die Ă€ußere Handlung (das Unwetter) und die innere Handlung (Geisers Geisteszustand) vielfĂ€ltige InterpretationsspielrĂ€ume bieten.