Martin Suter – Die Zeit, die Zeit

Kategorie: Buchrezensionen

Peter Talers Frau wurde vor der eigenen Haustür erschossen. Taler hat diesen brutalen Mord auch Jahre später nicht mal ansatzweise verwunden. Er möchte am liebsten die Zeit zurückdrehen und seine geliebte Frau wieder bei sich haben. Oft starrt er aus dem Fenster und macht sich Vorwürfe, dass er die Haustür in der Mordnacht nicht schnell genug aufgemacht hat. Doch dann lernt er Knupp kennen. Der alte, etwas kauzige Nachbar teilt mit ihm das gleiche Schicksal, auch seine Frau ist vor Jahren auf tragische Weise ums Leben gekommen. Knupp möchte den Tod seiner Frau ungeschehen machen. Der eigensinnige Senior glaubt nicht an das Konstrukt der Zeit. Für ihn ist nur die Veränderung maßgeblich ist. Wenn also an zwei verschiedenen Tagen alles bis aufs kleinste Detail identisch ist, dann ist auch keine Zeit vergangen. Er hat die fixe Idee alles genau so wiederherzustellen, wie an einem Tag vor dem Tod seiner Frau. Der Hobbyfotograf hat genaue Fotos der Umgebung und des Hauses von einem Oktobertag 1991 und plant jetzt alles detailgerecht nachzustellen, um dadurch seine Frau wiederzugewinnen. Dazu müssen unter anderem Pflanzen und Bäume umgepflanzt, Häuser gestrichen und alte Autos wiederbeschafft werden. Knupp ist fest entschlossen, diesen Plan durchzuziehen und scheut keine Kosten und Mühen. Es gelingt ihm Peter Taler als Gehilfen für seinen enorm arbeitsaufwendigen Plan zu gewinnen. Als Gegenleistung verspricht er ihm Fotos vom Todestag von Talers Frau, den er ebenfalls genauestens dokumentiert hat. Taler beginnt dem alten Knupp bei seinem Plan zu helfen und bekommt schließlich die Fotos. Auf diesen alten Fotos ist ein Mopedfahrer zu sehen, der in das Haus geht und einige Stunden dort verbringt. Taler glaubt in ihm, den Liebhaber und Mörder seiner Frau gefunden zu haben. Er findet die Wohnung des Mannes und steht wenig später mit einer geladenen Pistole vor dem vermeintlichen Mörder seiner Frau.

Die Detailtreue Suters ist bewundernswert. Das interessante Thema „Zeit“ wird in allen Facetten kenntnis- und pointenreich beschrieben. Die Story ist stringent und fesselnd erzählt. Die Sprache ist geradlinig und die Charaktere werden glaubwürdig und realistisch dargestellt. Ein spannendes und lesenswertes Buch von Martin Suter

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