Lars Gustafsson – Die Tennisspieler

Kategorie: Buchrezensionen

Texas, Mitte der siebziger Jahre: Lars, ein schwedischer Professor, hält an der Uni Vorlesungen über europäische Literatur und spielt in seiner Freizeit leidenschaftlich gern Tennis. Jeden Morgen schwingt er sich auf sein Rennrad und fährt der texanischen Sonne entgegen zum Tennisplatz, wo bereits potentielle Gegner warten. Bei diesen Tennisspielen und in den Unterhaltungen davor und danach lernt er eine Menge über Tennis, Texas und das Leben. Eines Tages kommt einer seiner Studenten zu ihm und hat ein Buch in der Hand das die gesamte Strindberg Forschung verändern könnte. Doch Lars hat Zweifel daran, ob dieses Buch ein Unikat ist. Im Zeitalter vor dem Internet ist es schwer, diese Frage abschließend zu klären. Doch zum Glück gibt es Chris, der bei der amerikanischen Luftabwehr arbeitet und Zugriff auf deren riesige Computeranlagen hat. Chris programmiert einen Computer so, dass er die beiden Bücher miteinander vergleichen kann, um eventuell kopierte Textteile zu erkennen. Dies ist zu der damaligen Zeit eine gewaltige Herausforderung und dauert mehrere Tage und das ganze Computersystem der amerikanischen Luftabwehr droht zu kollabieren. Als dann noch der Universitätsdirektor von zwei mächtigen Sponsoren zum Rücktritt gezwungen werden soll, wird die Situation immer dramatischer. Die Studenten und Uni-Angestellten stellen sich hinter ihren Direktor, der sich in seinem Büro verschanzt und es kommt an der ganzen Uni zu heftigen Protesten.

Game, Set and Match Gustafsson. Er gewinnt mit Leichtigkeit jeden Satz und macht an den entscheidenden Stellen einen Punkt.

Wenn er so Tennis spielt, wie er schreibt, dann spielt er leichtfüßig, lässig und ohne Kraftaufwand. Sein Stil ist leicht verständlich, philosophisch angehaucht und humorvoll. Das Buch ist sehr interessant zu lesen und es werden viele auch für die Gegenwart bedeutsame Aspekte angesprochen. Volle Punktzahl für den schwedischen Tennis- und Lebensphilosophen.

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