Jonas Karlsson – Das Zimmer

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55 Minuten Arbeit und dann 5 Minuten Bildschirmpause – Björn, der neue Mitarbeiter in einer riesigen schwedischen Behörde, hat sich vorgenommen dieses Schema einzuhalten. Auch ansonsten folgt seine Arbeit festen Mustern, schließlich möchte er einen guten Eindruck machen und möglichst rasch in der Hierarchie aufsteigen. Das ist aber nicht leicht, in einem riesigen Großraumbüro mit 22 Kollegen, die alle ihre Macken und nervigen Angewohnheiten haben. Björn will durchsetzungsfähig und souverän wirken und hat sich deshalb vorgenommen, sich mit den richtigen Kollegen zu unterhalten und sich nicht mit den falschen Kollegen anzulegen. Eines Tages entdeckt er ein geheimes Zimmer in dem riesigen Bürokomplex, das er fortan häufiger aufsucht, um sich ein wenig zu entspannen. Das Zimmer ist schlicht möbliert und stets gut aufgeräumt. Doch warum wissen die anderen nichts von diesem Zimmer, obwohl es in der Nähe der Toiletten liegt und sie täglich daran vorbeigehen? Björn wundert sich, warum er das Zimmer bereits nach 2 Wochen entdeckt hat und alle anderen diese Entdeckung, teils in mehreren Jahren, nicht gemacht haben. Björn besucht das Zimmer immer häufiger und nimmt auch manchmal Kollegen mit, doch diese scheinen sich danach nie an das Zimmer erinnern zu können. Schließlich gibt es eine Besprechung und Björn wird ultimativ dazu aufgefordert, nicht mehr minutenlang an der Wand zu lehnen und ins Leere zu starren. Björn versteht die Welt nicht mehr. Warum kennt nur er dieses Zimmer? Schließlich findet er einen Weg sein ramponiertes Ansehen in der Behörde wieder zu verbessern.

Karlsson Sprache ist nüchtern und schmucklos. Die Humorlosigkeit und der heilige Ernst der Romanfiguren sind bei genauerem Hinsehen sehr komisch. Die Sprache ist vordergründig sachlich, doch auf einer zweiten Ebene schwingt eine feine, distanzierte Ironie mit. Obwohl die handelnden Personen fest davon überzeugt sind, einer höheren Mission zu dienen, geht es schlussendlich nur um die Bearbeitung von Akten. Die Büroangestellten sind in ihrer eigenen Welt gefangen und erkennen selbst die einfachsten Zusammenhänge nicht mehr. Die Logik der Behörde blockiert den gesunden Menschenverstand. Karlsson Buch dreht sich um die Frage, ob eine gewisse Verrücktheit schädlich oder gar die Voraussetzung ist, um in einer riesigen Behörde Akten bearbeiten zu können. Das Buch regt zum Nachdenken an und ist noch dazu unterhaltsam.

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