John Fante – Der Weg nach Los Angeles

Kategorie: Buchrezensionen

Arturo Bandini möchte Schriftsteller werden. Doch der Weg dahin ist noch weit, besonders wenn man in 1930er Jahren in einer kalifornischen Kleinstadt lebt. Die Mutter ist überfürsorglich und die fromme Schwester plant Nonne zu werden. Die bisherigen Jobs hat der junge Mann immer früh gekündigt, die Schreibversuche endeten allesamt im Desaster. Arturos Wut steigt. Er reagiert sich an harmlosen Krabben ab und selbst die gutmütigsten Mitmenschen kriegen ihr Fett weg. Er ist unfähig, Kritik anzunehmen und vernünftig zu kommunizieren. Heimlich ist er in die schöne Bibliothekarin verliebt und die Damen aus den Magazinen werden ausgiebig betrachtet. Sein Onkel besorgt ihm schließlich einen Job in der Fischfabrik. Die Arbeit ist hart, die Kollegen sind nervig und es stinkt unerträglich. Der penetrante Fischgeruch lässt sich auch durch hartnäckiges Duschen nicht vertreiben. Eines Abends hat er es satt. Er nimmt einen Bleistift und fängt an zu schreiben. Wie im Wahn kritzelt er Seite um Seite voll, die Augen brennen und die Finger fangen an zu schmerzen. Arturo ist müde und erschöpft, aber er ist so glücklich wie noch nie. Er hat ein Meisterwerk geschrieben. So denkt er zumindest.

Arturo Bandini ist ein wandelndes Paket gebündelter Charakterfehler. Er ist ein Tierquäler, Dieb, Faulpelz, Angeber und Schläger. Trotzdem fällt es schwer ihn gänzlich zu verdammen. Ist er einfach ein Charakterschwein oder ist das ganze Gehabe ein stummer Schrei nach Anerkennung? Dieser Zwiespalt macht den besonderen Reiz des Buches aus. John Fante ist ein außergewöhnlich leidenschaftlicher Schriftsteller. Jeder Satz ist authentisch und ehrlich. Wut, Hass, Liebe und Mitleid – die direkte Sprache transportiert viele Emotionen. Ein empfehlenswertes und sehr ungewöhnliches Buch.

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