Hermann Hesse – In der alten Sonne

Kategorie: Buchrezensionen

Karl Hürlin kehrt in seine Heimatstadt zurück. Der schicke Anzug und seine teure Uhr sind nicht zu übersehen. Nachdem er sich einige Jahre durchschlagen musste, hat er nun geerbt und kann sich seinen Traum von einer eigenen Fabrik erfüllen. Die Firma floriert ein paar Jahre, die dort hergestellten Teile für die Wollwebeindustrie sind stark nachgefragt. Karl ist am Ziel und führt ein glückliches Leben. Doch dann taucht ein Konkurrent auf und die Fabrik wird überflüssig. Hürlin muss sich wieder mit anderen Jobs durchschlagen. Die Anerkennung sinkt und der Alkoholkonsum steigt. Nur noch in der Kneipe fühlt er sich wohl. Besonders in der Gaststätte „Zur Sonne“. Irgendwann kann er sich nicht mehr ernähren und die Stadt beschließt ein Armenhaus (Spittel) in seiner ehemaligen Lieblingskneipe einzurichten. Gemeinsam mit dem ehemaligen Seiler Lukas Heller sind sie ersten „Gäste“. Sie müssen morgens aufstehen und die anstehenden Arbeiten verrichten. Viel lieber liegen sie allerdings unter dem Baum in der Sonne und kommentieren das Geschehen in der Stadt, was ihnen, im Zusammenspiel mit dem ehemaligen Namen ihrer neuen Behausung, den Spitznamen „Sonnenbrüder“ einbringt. Doch schon bald treten die ersten Konflikte auf, die beiden passen vom Temperament her nicht zusammen und der gesellschaftliche Absturz macht besonders Hürlin schwer zu schaffen.

In diesem kurzen Buch erweist sich Hesse als realistischer Erzähler. Die Sprache ist stark verknappt, die Gedanken und Gefühle der handelnden Personen werden sehr gut dargestellt. Hesse beschreibt, bewertet aber nicht. Dem Leser bleibt selbst überlassen, die Protagonisten zu beurteilen.

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