Herman Melville – Bartleby, der Schreiber

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Es war schon Mitte des 19.Jahrhunderts schwer, geeignetes Personal zu finden. Der Anwalt in dieser Geschichte beschäftigt zwei Kopisten, die für ihn juristische Dokumente abschreiben sollen. Beide haben ihre Eigenheiten und Macken. Der eine arbeitet nur vormittags und der andere nur nachmittags. Später wird noch ein dritter Schreiber eingestellt: Bartleby ein junger, schweigsamer Mann. Dieser Bartleby verrichtet fortan zuverlässig seinen Dienst. Er schreibt fleißig Dokumente ab, verlässt jedoch niemals seinen Arbeitsplatz und weigert sich andere Aufgaben als das Kopieren von Schriftstücken zu übernehmen. Diese Marotte wird, nach einigen vergeblichen Überredungsversuchen zur Übernahme anderer Tätigkeiten, geduldet. Eines Tages stellt er jedoch auch das Schreiben ein und macht nichts mehr. Er sitzt oder steht nur noch in der Kanzlei herum und ist weder durch gutes Zureden noch durch Drohungen zu irgendeiner Form der Arbeit zu bewegen. Sein Chef bietet ihm Geld, wenn er das Büro endlich verlässt. Doch der junge Mann bleibt hart: Er lässt nicht vertreiben. Der Anwalt weiß nur noch eine Lösung und beschließt mit seiner kompletten Kanzlei umzuziehen und Bartleby in den Büroräumen zurückzulassen. Als der Anwalt dann in seinem neuen Büro sitzt, muss er sich mal wieder mit Bartleby beschäftigen, den er immer noch nicht losgeworden ist.

Diese Erzählung ist in Ich-Form aus der Sicht des Anwalts verfasst. Die Sprache ist etwas altmodisch, aber dennoch gut lesbar und leicht verständlich. Auf überflüssige Beschreibungen oder langatmige Dialoge wird komplett verzichtet. Dieses schmale Büchlein kann bequem in einem Rutsch durchgelesen werden. Beim Lesen entsteht eine zunehmende Neugier, warum Bartleby sich so seltsam verhält. Diese klassische, schnörkellos geschriebene Erzählung ist absolut lesenswert.