Friedrich D√ľrrenmatt – Der Tunnel

Kategorie: Buchrezensionen

Ein junger Student(24) steigt an einem ganz gew√∂hnlichen Sonntagnachmittag in den Zug, um nach einem Besuch bei seinen Eltern wieder zu seinem Studienort zur√ľckzukehren. Der stark √ľbergewichtige 24-J√§hrige hat die Angewohnheit sich gegen die Umwelt abzuschotten. Die Zigarette im Mund und die Watteb√§uschchen in den Ohren sorgen f√ľr eine Distanz zu seinen Mitmenschen.
Der Zug f√§hrt wie √ľblich p√ľnktlich los und nach einiger Zeit wird der Tunnel erreicht. Dieser Tunnel ist sehr kurz und in den Abteilen wird f√ľr gew√∂hnlich nicht mal das Licht angestellt, weil die Dunkelheit ja schnell wieder verschwindet.

Doch diesmal dauert die Tunneldurchfahrt ungew√∂hnlich lange. Der Student wundert sich und fragt seine Mitreisenden, warum der Tunnel diesmal so lang ist. Er erh√§lt keine befriedigende Antwort, er bef√ľrchtet, in einen falschen Zug eingestiegen zu sein. Nach einiger Zeit nimmt der Tunnel immer noch kein Ende und er beschlie√üt den Zugf√ľhrer aufzusuchen, den er auch schnell findet. Gemeinsam gehen sie an den Anfang des Zuges. Der Lokomotivf√ľhrer ist nicht mehr da und die Gep√§ckst√ľcke fangen zu rutschen an: Der Zug f√§hrt abw√§rts. √Ąngstlich blickt der Vierundzwanzigj√§hrige auf den Tacho und stellt fest, dass die Geschwindigkeit ansteigt. Er ist sich nun sicher: Der Zug f√§hrt mit rasender Geschwindigkeit in das Erdinnere.

Dieses kurze Prosast√ľck enth√§lt viele lange S√§tze. Trotzdem ist die Erz√§hlung kurzweilig und gut zu lesen. Die Beschreibung konzentriert sich auf das Wesentliche, dadurch entsteht eine dichte, spannende Atmosph√§re. Die Verzweiflung des junges Mannes, der aus seiner Routine gerissen wird ist f√∂rmlich greifbar. Eine spannende, gut formulierte Geschichte, die zahlreiche Interpretationsm√∂glichkeiten bietet.