Franz Kafka – Der Heizer

Kategorie: Buchrezensionen

Karl Roßmann wurde von seiner Familie nach Amerika geschickt, weil ein DienstmĂ€dchen ein Kind von ihm bekommen hatte. Der sechszehnjĂ€hrige Junge befindet sich nun auf dem Schiff nach Amerika, als er sich verirrt. Durch Zufall gerĂ€t er in die Kabine des Heizers, er kann sich mit dem deutschen Maschinisten in seiner Muttersprache verstĂ€ndigen und fasst schnell Vertrauen zu ihm. Der Heizer klagt Karl sein Leid: Er fĂŒhlt sich von seinem Vorgesetzten drangsaliert und von der gesamten Besatzung nicht wertgeschĂ€tzt. Sobald fassen die beiden neuen Freunde einen Plan. Der Heizer geht mit Karl zum KapitĂ€n, um sich ĂŒber seine Situation zu beschweren. In der KapitĂ€nskajĂŒte befinden sich noch einige andere hohe Herren an deren Gestus und Habitus man eine gewisse gesellschaftliche Stellung ablesen kann. Der Heizer ist sehr aufgeregt und beginnt sich zu beklagen. Die anwesenden Herren sind nur mĂ€ĂŸig interessiert und die Stimmung beginnt zu kippen. Dann wendet sich plötzlich einer der Herren an Karl und fragt diesen nach seinem Namen. Karl antwortet wahrheitsgemĂ€ĂŸ und die Antwort des Mannes sorgt fĂŒr eine unerwartete Wendung.

Kafka zeigt in dieser ErzĂ€hlung sein erzĂ€hlerisches Können. Die kurzen prĂ€gnanten Beschreibungen sind oft doppeldeutig und erzeugen eine bedrohliche AtmosphĂ€re. Die kindlich naive Gedankenwelt Karls wird sehr glaubwĂŒrdig und anschaulich dargestellt. Die verschiedenen Emotionen, die der Junge durchlebt, werden durch die zur jeweiligen Situation passende Sprache sehr gut verdeutlicht.