Arthur Miller – Brennpunkt

Kategorie: Buchrezensionen

Newman, ein leitender Angestellter in New York, hat ein Problem: seine Sehkraft lässt nach. Er muss fortan eine Brille tragen, um seine Arbeit korrekt erledigen zu können. Durch diese Brille verändert sich sein Aussehen, seine markante Nase tritt nun deutlich hervor und er sieht nach Meinung seiner Mitmenschen nun wie ein Jude aus. Durch diese optische Veränderung ändert sich das Verhalten seiner Mitmenschen ihm gegenüber. Seine Taten und Worte erscheinen plötzlich in einem anderen Licht und werden negativ interpretiert und in Zusammenhang mit seiner vermeintlichen Religion gebracht. Newman, der selbst Vorurteile hat, wird das Leben durch allerlei kleine Schikanen zur Hölle gemacht. Er bekommt Schwierigkeiten im Job, ihm wird ein Hotelzimmer verwehrt und seine Mülltonne wird regelmäßig umgekippt. Der Prototyp des absoluten Durchschnittsamerikaners erlebt nun am eigenen Leib, was es heißt zu einer Minderheit zu gehören. In der aufgeheizten Atmosphäre New Yorks in der Zeit des zweiten Weltkriegs bekommt er als vermeintlicher Jude am eigenen Leib zu spüren, was Intoleranz und Hass anrichten können, obwohl er sich nichts sehnlicher wünscht als genau wie alle anderen zu sein. Aber die Schikanen werden immer schlimmer und eines Tages fasst Newman einen folgenschweren Entschluss, der sein Leben radikal verändert.

Die Darstellung der Vorgänge ist sehr realistisch und die Sprache in diesem Buch ist kristallklar. Daher ist das Buch sehr gut zu lesen. Dieses Buch verdeutlicht auf eindringliche Weise wie Hass auf Minderheiten entsteht. Durch die raffinierte Erzählkonstruktion wird die Sinnlosigkeit von Vorurteilen dargestellt. Newman hat selbst Vorurteile, ist aber gleichzeitig Vorurteilen ausgesetzt – dieser Widerspruch wird inhaltlich und sprachlich hervorragend umgesetzt. Ein absolut lesenswerter Klassiker des großen amerikanischen Dramatikers Arthur Miller.

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